Keep you doped with religion and sex and TV And you think you’re so clever and class less and free But you’re still fucking peasants as far as I can see — John Lennon, Working Class Hero
Am National Museum of Health and Medicine (NMHM) haben einige mutige und arbeitswütige Archivare ein nie dagewesenen Projekt ins Leben gerufen: Das Museum digitalisiert seine einzigartige Sammlung medizinischer Kriegsaufnahmen vom amerikanischen Bürgerkrieg bis zum Vietnam-Krieg und macht die Bilder auf der Foto-Plattform Flickr erstmals der Weltöffentlichkeit zugänglich.
sueddeutsche.de: Herr Avnery, Der übergroße Teil der jüdisch-israelischen Bevölkerung steht hinter dem Krieg gegen Hamas. Wie kommt es, dass die innerisraelische Kritik am Krieg…
im Gaza-Streifen so leise ist?
Uri Avnery: Sie hören vielleicht wenig in Deutschland, aber die Kritik in Israel an dem Krieg ist laut. Die Medien verschweigen oft Proteste. Am Tag, als die Bodenoffensive begonnen hat, haben wir zu vielen Tausenden im Zentrum von Tel Aviv gegen den Krieg demonstriert. Jeden Tag gehen wir auf die Straße, auch drei Stunden nach diesem Interview.
sueddeutsche.de: Ihre Friedensdemonstration in Tel Aviv stieß auf heftigen Gegenprotest …
Avnery: … von faschistischen Elementen …
sueddeutsche.de: … von rechtsgerichteten Israelis, die Sie als Verräter beschimpften. Warum ist die israelische Gesellschaft dermaßen polarisiert?
Avnery: Israel ist ein demokratischer Staat, wir haben eine pluralistische Gesellschaft. In Deutschland gibt es Neonazis, warum sollen wir keine haben?
sueddeutsche.de: Der Großteil der Israelis ist weder rechts noch rechtsextrem. Dennoch unterstützt die große Mehrheit den Kriegskurs der Regierung.
Avnery: Was die Luftangriffe angeht, mag das stimmen. Aber nur jeder Fünfte wollte eine solche Ausweitung, Umfragen haben besagt: 80 Prozent der Israelis waren gegen eine Bodenoffensive. Seit Beginn des Landkrieges gibt es keine Meinungsumfragen mehr…
Die israelische Organisation Courage to Refuse (Mut zum Verweigern) rief gestern mit einer Anzeige in der Tageszeitung Ha’aretz zur Verweigerung des Einsatzes im Gazastreifen auf: “Dieser Krieg hat bereits mehr als 500 Menschenleben…
gekostet und ein Ende ist nicht absehbar. Die brutale, beispiellose Gewalt in Gaza ist schockierend. Wir können nicht einfach zuschauen, wenn Hunderte von Zivilisten durch die israelische Verteidigungsarmee abgeschlachtet werden.” In der Gruppe haben sich Soldaten und Offiziere der israelischen Armee organisiert, die sich gegen die Besatzungspolitik der israelischen Regierung wenden.
Ein weiterer Aufruf von “Jüdinnen und Juden aus der ganzen Welt” fordert israelische Soldaten und Soldatinnen ebenfalls zur Verweigerung auf: “Die ein Gewissen haben, müssen die israelische Kriegsmaschinerie stoppen. Das könnt nur Ihr tun – und Ihr müsst es tun.”
Courage to Refuse berichtete zugleich, es gebe erste Verweigerer des Kriegseinsatzes in Gaza. Etwa ein Dutzend Reservisten hätten sich bislang der Einberufung verweigert. Mit der Anzeige in Ha’aretz riskiert Courage to Refuse strafrechtliche Verfolgung. So wurde bereits gegen die Organisation New Profile, die in Israel KriegsdienstverweigerInnen berät, ein Strafverfahren eröffnet mit dem Vorwurf der “Anstiftung zur Militärdienstentziehung”.
Zu Beginn hörte man oft: “Israel verteidigt sich nur, die Hamas terrorisiert Israel mit Raketenbeschuss und missbraucht die Zivilbevölkerung für ihre Deckung.” Ergo Israel hat keine Schuld, die Hamas ist sowieso abgrundtief böse und wenn man die Palästinenser von dieser “Terror-Organisation” befreit, würde es ihnen viel besser gehn. Das Ziel der israelischen Regierung nämlich die Zerschlagung der Hamas und Besetzung des Gazastreifens, würde mit dieser verbreiteten Meinung, sicherlich nicht deren Absichten gefährden. Aber ob das der Wahrheit entspricht? In den letzten Jahren wurde der Strom, das Wasser, die Lebensmittel und die medizinische Versorgung, systematisch eingeschränkt oder ganz abgeschnitten. Israel ignorierte die Aufrufe der UNO diesen Boykott zu beenden. Die folgen waren Massenarbeitslosigkeit, Unterernährung und Gesundheitsprobleme. Also war es doch nur eine Frage der Zeit, bis sich 1.5 Mio. Menschen, zusammengepfercht auf 360km², zur wehr setzen … müssen.
Es ist Krieg – Menschen leiden und sterben voll Schmerz – keiner siegt, ein Leben ist nichts mehr wert.
Bin kein Fanatiker, kein Attentaeter, kein Terrorist,
bin eins von den zivilen Opfern, die man leider oft vergisst.
Gewalt erzeugt Gegengewalt, ich bin gegen Gewalt,
doch um meine Lieben zu schuetzen habe ich keine andere Wahl.
Wo sollte ich hin? Meine Familie und Freunde sind alle hier.
Durch das, was grade passiert, koennte ich alle verlieren.
Also bleib ich hier, verzweifle hier
und wenn mein Schicksal es verlangt von mir, dann fall ich hier.
Spax – Kriegstagebuch
Während wir überlegen was wir heut Abend in die Disco anziehen, ob die Frisur sitzt, ob das T-Shirt zur Hose passt, müssen Menschen in Gaza um ihr nacktes Überleben kämpfen. Stellt dir vor, du versteckst dich mit deiner Familie… deine Mutter hält deine zweimonate alte Schwester fest im Arm, dein Vater betet, in der ferne hört man Granatexplosionen die immer näher kommen. Am Tag zuvor musstest du zusehen wie den Nachbar verblutete. Dein bester Freund, mit dem du morgen eigentlich in die Disco wolltest hat sein Bein verlohren… Zerstörung, Chaos überall. Kein Strom und Wasser mehr…
Auch wenn wir nicht viel tun können, blendet es nicht aus, denkt wenigstens an diese Leute.