Bachelor of Science

Halt Stopp! Ich habe gehört, man soll am Anfang eines Artikels immer ein bisschen über die Zeit philosophieren. Denn Rückblicke sind angesagt, in einer Zeit wo alles immer schneller und vernetzter wird. Gehör ich schon zur Turbogeneration? Turboabitur – Turbostudium – Turboerwachsen? Ich hatte glücklicherweise noch das Vergnügen 13. Jahre zu Reifen. Nachdem ich 2007 das Abitur gemacht hatte wurde ich gleich im Anschluss für neun Monate zur Bundeswehr eingezogen.

Da wird mir doch gerade bewusst; ich gehör jetzt schon zum alten Eisen! Denn den Grundwehrdienst gibt es nicht mehr und reif für die Hochschule ist man heute schon nach 12. Jahren. Die kommenden Generationen werden 2 Jahre früher fertig sein als ich. Fragt sich nur Fertig womit?
Ich bin jedenfalls froh, noch etwas Zeit gehabt zu haben, Zeit um Erfahrungen zu sammeln und sich Gedanken zu machen. Deswegen wusste ich auch, nach der Bundeswehr mach ich was mit Medien. Agent Smith war der Ansicht es ist unausweichlich, denn meine Affinität zur Fotografie, Film und Co. war viel zu hoch.

So bewarb ich mich im Sommer 2008 für den Studiengang Medien und Informationswesen an der Hochschule Offenburg. Doch wie das Schicksal manchmal seine Wege geht, wurde ich für diesen Studiengang nicht angenommen. Allerdings wurde mir von der Hochschule der Studiengang Verfahrenstechnik empfohlen.
Ich sollte also Ingenieur werden?! Zugetraut hab ich mir das anfangs nicht. Naturwissenschaften waren zwar meine Stärken im Abi mit Erdkunde und Biologie als Leistungskursen. Mit der Mathematik konnte ich mich bis dato aber nicht wirklich anfreunden. Doch dies sollte sich im Verlaufe des Studiums ändern.
Ich glaube Mathematik war mir zu Schulzeiten einfach zu theoretisch. In Physik hatte ich sehr gute Noten, in Mathe hing ich mit befriedigend hinterher. Jemand meinte dann mal zu mir “du kannst es zwar anwenden aber verstehst es nicht”. Ich denke, wer Mathe im tiefsten Verstehen will der soll Mathematik Studieren gehen. Wer Mathematik als hilfreiches Werkzeug kennen lernen will, um Probleme in der realen Welt zu lösen, der sollte Ingenieur werden. Die Welt braucht auf jedenfalls beides. Theoretiker die den Ingenieuren die Formeln bereitstellen und kreative Köpfe die aus den Formeln was sinnvolles herstellen.

Bahnbrechend in meiner Beziehung zur Mathematik war der Satz einer Professorin im Vorbereitungskurs zu Beginn des Studiums: “Jeder kann Mathematik! Es gibt kein ‘ich bin nicht gut in Mathe’, ‘Mathe liegt mir nicht’, bla bla bla, jeder kann Mathematik!! Alles nur eine Sache der Übung, Mathe ist erlernbar, manche brauchen vielleicht etwas länger, aber Jeder kann Mathematik!” Motivation lautet das Stichwort! Motivation und Selbstvertrauen. Das ist das was mir gefehlt hat.

Im Oktober 2008 begann ich schließlich mein Studium der Verfahrenstechnik an der Hochschule Offenburg. Heute sieben Semester danach sitze ich schließlich hier und blicke zurück. Ich habe nicht nur meinen Abschluss in der Hand sondern auch schon einen Job. Von ehemals 74 Komilitonen sind 36 übrig geblieben und nur 9 von 36 haben es in Regelstudienzeit durchgezogen. Es macht mich schon Stolz unter diesen 9 zu sein, in einem Studiengang für den ich mich nicht beworben habe und den ich mir nicht zugetraut habe. In den 7. Semestern bin ich nur ein einziges mal durch eine Prüfung geflogen.

Vielleicht war es einfach unausweichlich oder doch einfach nur Zufall. Meiner Meinung nach, ist für ein erfolgreiches Studium am wichtigsten, dass man sich immer wieder aus neue für etwas begeistern kann. Ich habe immer versucht das Interessante, das Nützliche an einem Thema zu finden und mich so motiviert. Geht man mit dieser Denkweise an etwas heran steht einem Alles offen. Natürlich gibt es auch manche Durststrecken, aber ich war ja nicht umsonst beim Bund. Alle Zutaten für ein erfolgreiches Studium. Nun kann der nächste Lebensabschnitt beginnen. :)

PS: Für alle die jetzt denken oh nein, jetzt hat er ja gar nichts mehr mit Medien zu tun, der arme. Nein so ist es nicht. Ich bin sehr zufrieden mit meinem Job. Denn beruflich habe ich mich nebenbei auf 3D-CAD im Anlagenbau spezialisiert, hierbei modeliere ich mit Autodesk Inventor und visualisiere mit 3Ds Max Design. Wenn ich also nicht mit der Verfahrenstechnik beschäftigt bin, setzte ich 3D-Modelle mit Hilfe von Mental Ray ins rechte Licht. Vielschichtiger und kreativer hät ichs mir kaum vorstellen können.

In diesem Sinne.
B. Sc. Frederik Mussler

  1. badische-zeitung.de/offenburg/
  2. baden-online.de/news
  3. hs-offenburg.de/en/news
  4. Liste der Absolventen – baden-online.de

Zum Abschluss noch ein paar Impressionen aus dem Studium:

3 Antworten zu “Bachelor of Science”

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