Was man weiß und noch nicht weiß. Ein interessanter Artikel von Dipl.-Met. Thomas Ruppert

In diesem Jahr begann die Gewittersaison früh, bereits im Mai
gab es vor allem in Süddeutschland schwere Ereignisse. Meist
handelte es sich um sog. Wärmegewitter, die durch starke
Labilisierung ausreichend feuchter Luft infolge kräftiger
Sonneneinstrahlung und sich anschließender massiver Konvektion
entstanden. Vorläufiger Höhepunkt waren der vergangene Freitag
und der Sonnabend, als gebietsweise extreme Unwetter auftraten.
Eine Besonderheit dieser Gewitter war, dass sie sich entlang
einer sog. Konvergenzlinie anordneten, die einer Kaltfront
vorgelagert war. Dagegen entstanden die Gewitter dieser Woche
nach Frontdurchgang in der Kaltluftmasse. Der zu ihrer Bildung
notwendige hohe vertikale Temperaturgradient kam durch Zufuhr
noch kälterer Luft in der Höhe zustande.
Wie auch immer, Gewitter werden stets von Blitz und Donner
begleitet. Blitze entstehen in sich hoch auftürmenden
Gewitterwolken infolge Ladungstrennung durch Reibung an den
Wolkenpartikeln. Jedoch sind die zugrunde liegenden
physikalischen Prozesse bis heute nicht vollständig geklärt.
Aufgrund mechanischer Wechselwirkung laden sich bei
Temperaturen < -15 °C innerhalb einer Gewitterwolke
Graupelkörner negativ auf, Eiskristalle hingegen positiv. Bei
höheren Temperaturen erfolgt die Aufladung der Wolkenpartikel
mit umgekehrtem Vorzeichen. In Abhängigkeit vom vertikalen
Temperaturverlauf innerhalb der Gewitterwolke bildet sich eine
Sandwich-artige Ladungsstruktur, positiv bzw. negativ geladene
Wolkenschichten folgen aufeinander.
Allerdings sind die in Gewitterwolken gemessenen elektrischen
Feldstärken zu gering, als das die Luft ionisiert würde und
sich die Ladungsunterschiede spontan in Form von Blitzen
entladen könnten. Einige amerikanische Physiker vertreten die
Theorie, dass in der die Erde erreichenden kosmischen
Höhenstrahlung sog. schnelle Elektronen vorkommen, welche in
der Lage sind, Luftmoleküle zu ionisieren. Ionisierte Luft
verliert ihre dielektrischen Eigenschaften, wird Strom leitend
und die elektrische Entladung kann erfolgen. Dabei bildet sich
zunächst ein Blitzkanal aus ionisierter Luft, in der ein
negativ geladener Leitblitz sich mit ca. einem Drittel der
Lichtgeschwindigkeit ausbreitet. Vom positiv geladenen Gegenpol
(Erdboden oder Wolke) eilt ihm eine entsprechende Fangentladung
entgegen. Nun können sich die Potentialunterschiede mit aller
Macht ausgleichen – negative Ladungen strömen zum Erdboden bzw.
zu positiv geladenen Regionen der Wolke und umgekehrt – es
blitzt.
Die plötzliche und starke Erhitzung der Luft im Blitzkanal (in
Sekundenbruchteilen auf einige zehntausend Grad) infolge des
hohen Stromflusses bewirkt ihre explosionsartige Ausdehnung.
Der damit einher gehende Druckanstieg bewirkt eine Schockwelle,
die sich in der unmittelbaren Umgebung des Blitzes als scharfer
Knall (“Donnerschlag”) bemerkbar macht. Verschiedene Laufzeiten
von unterschiedlichen Punkten des Blitzkanals verursachen das
“Donnerrollen” durch Überlagerung der Schallwellen.
Dipl.-Met. Thomas Ruppert
Deutscher Wetterdienst
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